Gold kaufen trotz Allzeithoch?

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Der Goldpreis markiert fast täglich ein neues Allzeithoch – und viele Anleger fragen sich: Sollte ich jetzt noch Gold kaufen? Im Interview mit ServusTV spricht Walter Hell-Höflinger, dessen Familie sich seit 130 Jahren beruflich mit Gold beschäftigt, über den aktuellen Goldrausch und die Preisentwicklung von Gold. Er erläutert, dass der Goldpreis in den letzten Jahren erheblich gestiegen ist, was sowohl Händler als auch Anleger überrascht hat. Hell-Höfling betont die Bedeutung von Gold als sichere Anlageform, besonders in Krisenzeiten, und erklärt, dass Gold im Vergleich zu Währungen wie dem Euro und dem Dollar an Wert gewinnt.

Walter Hell-Höflinger rät dazu, regelmäßig in Gold zu investieren, auch wenn der aktuelle Preis hoch ist, da Gold langfristig eine Absicherung gegen Inflation bietet. Hell-Höfling gibt praktische Tipps für den Kauf und die Lagerung von Gold und warnt vor Fälschungen, die vor allem im privaten Handel auftreten können. Er empfiehlt den Kauf bei vertrauenswürdigen Fachhändlern und die Lagerung in Tresoren oder spezialisierten Firmen, um Sicherheit zu gewährleisten.

Das Interview können Sie hier im Volltext nachlesen

Frage: Wer sich in den vergangenen Jahren Gold gekauft hat, hat eine sehr gute Entscheidung getroffen. Alleine in den letzten fünf Jahren ist der Goldpreis um etwa 80 Prozent gestiegen. Im Vergleich zu 1999 – halten Sie sich fest – sogar um mehr als 700 Prozent, und der Rekordlauf am Geldmarkt geht weiter. In der letzten Woche hat der Goldpreis jeden Tag ein neues Allzeithoch erreicht. Erst heute stieg der Preis für eine Feinunze (das sind etwa 31,1 Gramm) auf den Höchststand von umgerechnet 2230 Euro. Dazu ist jetzt Walter Hell-Höflinger bei uns im Studio. Seit 130 Jahren beschäftigt sich seine Familie beruflich mit Gold. Guten Tag, schön, dass Sie da sind!

Walter Hell-Höflinger: Danke für die Einladung.

Frage: Können Sie sich erklären, warum dieser Goldrausch auf der ganzen Welt jetzt so enorm ist?

Walter Hell-Höflinger: Ganz ehrlich – es hat, glaube ich, den ganzen Markt überrascht. Der Goldpreis ist in den letzten Wochen wirklich über die Erwartungen hinaus galoppiert. Es hat mich – ehrlich gesagt – auch sehr überrascht. Aber auf der anderen Seite freut es mich natürlich auch, weil das, was man immer predigt, sich immer mehr bewahrheitet: Gold ist einfach eine andere Art von Geld – aber eines, dessen Wert steigt, während die Währungen wie Euro, Dollar eben fallen.

Frage: Ist es auch ein bisschen die Sicherheit, die man in Krisenzeiten nach Hause bringt?

Walter Hell-Höflinger: Es wird oft gesagt, dass Gold in harten Zeiten sein wahres Gesicht zeigt, aber da haben Sie immer das Richtige gesagt: Gold ist und bleibt ein wertbeständiges Gut, wohingegen jede Währung, die es gegeben hat, bis jetzt eigentlich immer wieder auf ihren Papierwert zurückgefallen ist.

Frage: Die Feinunze mit einem Gewicht von 31,1 Gramm kostet über 2200 Euro. Macht es jetzt Sinn, in Gold zu investieren, wenn der Preis gerade so hoch ist?

Walter Hell-Höflinger: Es ist sehr hoch jetzt, das stimmt, und der Markt ist überhitzt. Im Regelfall gibt es dann auch immer wieder eine Korrektur. Das heißt: Es geht noch etwas nach unten. Da muss man ein bisschen Geduld haben. Aber im Großen und Ganzen empfehle ich sowieso, regelmäßig – also Monat für Monat, zwei oder drei Dukaten, oder was auch immer den eigenen Umständen entspricht, zu kaufen. Das hat sich in den letzten 25 Jahren bewährt.

Frage: Aber Sie sagen, es ist immer noch sinnvoll? Man kann also immer noch Gold dazukaufen?

Walter Hell-Höflinger: Ja, auf jeden Fall, weil Sie auf der anderen Seite Ihre Ersparnisse haben, und die verlieren ja mit der Inflation an Wert. Und Gold ist dafür wirklich geeignet, die Inflation abzufedern.

Frage: Was mache ich denn am besten, wenn ich mir jetzt Gold kaufe? Wo bringe ich es hin? Zur Bank? Kaufe ich einen Tresor? Auf was muss ich da achten?

Walter Hell-Höflinger: Das kommt natürlich auf die Menge an. Also ich würde nicht 200 Kilo irgendwohin legen, aber ich propagiere schon – und da habe ich Ereignisse wie in Zypern oder Griechenland im Hinterkopf – dass es immer gut ist, ein bisschen was daheim zu haben. Da gibt es den Spruch: Man muss rechtzeitig darauf schauen, dass man es hat, wenn man es braucht. Beim Einlagern würde ich eher auf Tresorfirmen zurückgreifen, die einen Rund-um-die-Uhr-Service bieten und eine Auslieferung jederzeit sicherstellen.

Frage: Muss man beim Goldkauf jetzt auch noch was Bestimmtes beachten? Wo kaufe ich es am besten? Wo sollte ich besser nicht kaufen?

Walter Hell-Höflinger: Sie spielen auf die Fälschungen an. Ja, es gibt viele Fälschungen im Umlauf, aber die treten fast ausschließlich im privaten Handel auf. Oft, wenn jemand auf einer Internetplattform glaubt, ein vermeintliches Schnäppchen zu machen, ist es im Regelfall nicht so, weil niemand Gold unter Wert verkauft. Also: Gold gibt es nicht geschenkt und nie mit Rabatten. Im Regelfall würde ich immer sagen: Gehen Sie zu einem Händler, zum Fachhändler. Das muss jetzt nicht unsere Firma sein, aber jeder, der ein Ladengeschäft hat, wo Sie auch hingehen können, wenn irgendwas mal nicht passt. Wir haben in Wien drei Geschäfte, und so gibt es auch viele Kollegen, die sind durchweg zu empfehlen.

Frage: Jetzt sind Sie gerade mit dem Zug hergefahren. Hatten Sie da nicht ein ungutes Gefühl, so viel Geld mit sich zu tragen? Wie viel ist der Gesamtwert von dem, was Sie mitgebracht haben?

Walter Hell-Höflinger: Wenn wir das jetzt zusammenrechnen, wären das schon um die 30.000 Euro.

Frage: Was haben Sie denn alles dabei?

Walter Hell-Höflinger: Ich habe Produkte von der Münze Österreich mitgebracht, also den guten alten Dukaten, der ist immer noch eines meiner Lieblingsprodukte. Weil der klein und handlich ist, kann man ihn stückweise einkaufen. Und ich sage immer so: Der entspricht ungefähr einem vollen Einkaufswagen für das Wochenende für die Familie. Er hat einmal 150 Schilling gekostet, jetzt kostet er 250 Euro. Wenn man eine Unze nimmt, entspricht das ungefähr dem Monatseinkommen eines Österreichers – und das ist so die Größenordnung, in der man denken sollte, wenn man kauft. Und wenn man jetzt sagt: Ich will über 100.000 oder 200.000 Euro investieren, dann geht man auch schon auf größere Barren, 100 Gramm oder so. Aber viel höher würde ich nicht gehen, weil es die Flexibilität beim Wiederverkauf einschränkt.

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Frage: Weil Sie gesagt haben, wenn man hohe Summen investiert, muss man auch schauen, wie man sie investiert, wenn man in Gold investiert?

Walter Hell-Höflinger: Ja, also, es empfiehlt sich, das Risiko zu streuen. Es ist sowieso wie im Casino. Du setzt nicht alles auf eine Zahl, sondern du verteilst das Risiko. Das gilt auch beim Goldkauf. Ich würde eher empfehlen, in mehreren Etappen immer wieder die gleiche Menge zu kaufen. Dann mittelt sich über die Zeit der Preis, den du bezahlt hast. Wenn du zum Beispiel von 2020 bis jetzt gekauft hast, dann hast du schon einen Gewinn von 15 Prozent zwischen Punkt A und Punkt B gemacht. Und wenn du nur jetzt kaufst, dann hast du nur den aktuellen Preis bezahlt.

Frage: Vielen Dank, Herr Hell-Höflinger, für Ihren Besuch im Studio.

Walter Hell-Höflinger: Danke vielmals für die Einladung

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