EZB senkt die Leitzinsen: Das größte Null-Ereignis des Jahrzehnts

Von einem Sieg über die Inflation ist die EZB jedoch noch weit entfernt. // Bildnachweis: Bruno Neurath Wilson / Unsplash

Trotz der ersten Zinssenkung seit fünf Jahren blieb die erhoffte Wirkung auf die Börsen aus, da die Maßnahme bereits eingepreist war und keine Trendwende einleitete. Verbraucher in Europa profitieren wenig von dieser Politik, da hohe Kreditzinsen und fehlende Zinsvorteile auf Sparguthaben weiter bestehen, während der Goldpreis als Inflationsschutz steigt.

Ein scharfer Blick, der durch das Blitzlichtgewitter dringt, als würde er direkt die Seele der Fragenden durchbohren – so tritt Christine Lagarde seit 2019 in Frankfurt vor die Presse. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, bekannt für ihre unerschütterliche Entschlossenheit, lässt sich rein äußerlich nicht aus der Ruhe bringen. Mit einem knappen, aber bestimmenden Nicken signalisiert sie den Beginn der Pressekonferenz. Ihre Präsenz ist auf den ersten Blick durchaus einschüchternd; ihr Blick so spitz wie ein Skalpell, das keine Zweifel aufkommen lässt.

Die eiserne Lady der EZB // CC-BY-4.0: European Union 2020 - EP

Lagarde ist eine Meisterin der Körpersprache. Jede ihrer Bewegungen, von der präzise geführten Hand bis zum straffen Rücken, strahlt eine unmissverständliche Botschaft aus: Hier spricht eine Frau, die klare Linien zieht und keine Kompromisse duldet.

Ihre Worte sind präzise, fast chirurgisch gesetzt, wenn sie die neue Zinspolitik der EZB erläutert. Sätze wie „Wir werden tun, was notwendig ist,“ sagt sie mit jener Mischung aus Ruhe und Autorität, die keine Widerrede zulässt.

Die eiserne Lady wird zur Statistin der Geldpolitik

Am 6. Juni 2024 konnte die Finanzwelt eindrucksvoll erleben, welche Macht die EZB-Chefin in der Realität hat – nämlich gar keine. Seit Jahren blicken Anleger gebannt nach Frankfurt und hängen an den Lippen von EZB-Chefin Christine Lagarde. Die Börsen kennen inzwischen kein anderes Thema mehr als die Hoffnung auf eine baldige Zinswende. Am 6. Juni 2024 ist nun endlich der lang ersehnte Rauch aufgestiegen, die EZB hat die Leitzinsen gesenkt. Und was ist an der Börse daraufhin passiert? Nichts!

Die Zinswende der EZB wird, obwohl es sich um den ersten Zinsschritt nach unten seit fünf Jahren handelt, als das größte Null-Ereignis des Jahrzehnts in die Geschichte eingehen – und dies ist auch kein Wunder, denn einerseits war der Zinsschritt seit Monaten erwartet und eingepreist. Und zum anderen heißt die Senkung der Leitzinsen im Euro-Raum um 0,25 Prozent bei genauerer Betrachtung keinesfalls, dass eine Trendwende eingeleitet wurde. Ganz im Gegenteil: Die Hängepartie wird weitergehen – und die Gefahr einer peinlichen Rückwärtsrolle für die Währungshüter steigt.

Nichts weiter als ein leises Lebenszeichen

Die Europäische Zentralbank hat nichts weiter als ein Lebenszeichen an die Finanzmärkte gesendet – frei nach dem Motto: Wir sind noch da, uns gibt es noch, vergesst uns nicht. Von einem Sieg über die Inflation ist die EZB jedoch noch weit entfernt. Denn die überdurchschnittlich steigenden Löhne im Dienstleistungssektor, die eigentlich eine gute Entwicklung für die Arbeitnehmer sind, dürften als Preistreiber für die Inflation wirken. Die Logik dahinter: Wenn die Menschen mehr Geld haben, können sie sich wieder mehr leisten und werden mehr Geld ausgeben. Zudem wird perspektivisch auch ein Absturz des Euro-Wechselkurses die Inflation wieder antreiben. Und die Preise für Energie und Lebensmittel schwanken stark – weitere Ausschläge nach oben sind nur eine Frage der Zeit.

Für Verbraucher in ganz Europa gibt es keinen Grund zu feiern, auch wenn in der Tagespresse gelegentlich ein anderer Eindruck vermittelt wird. Denn eine Entlastung beispielsweise bei den Kreditzinsen wird nicht eintreten. Gleichzeitig geben die meisten Banken das hohe Zinsniveau auf Sparguthaben nicht an ihre Kunden weiter. Man muss es sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Zuerst treibt die EZB mit ihrer Flut des billigen Geldes die Kosten für ein einfaches Einfamilienhaus in Deutschland von 300.000 auf 500.000 Euro hoch, doch dank der Nullzinsen konnten es sich wenigstens die Gutverdiener noch leisten, sich bis an ihr Lebensende zu verschulden.

Jetzt, wo es wieder Geld kostet, sich Geld zu leihen, summieren sich die Kosten für das Einfamilienhaus für die Dauer der Kreditlaufzeit auf bis zu 800.000 Euro. Wer also meint, dass die Inflation nicht mit einer Enteignung der gutbürgerlichen Mitte der Gesellschaft einhergeht, sollte einmal nachrechnen.

Gold profitiert als Inflationsschutz

Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass ausgerechnet der Goldpreis der große Gewinner des Zinsentscheid-Tages war – Gold legte um fast ein Prozent zu, während die meisten Aktienindizes in die Knie gingen.

Gold ist Inflationsschutz // Bildnachweis: Eigenes Bild

Denn Gold ist eine Versicherung gegen die Inflation – und wenn es die EZB nicht eilig hat, die Leitzinsen energisch weiter zu senken, weil die Inflation noch lange nicht besiegt ist, ist offenbar die Notwendigkeit einer solchen Versicherung weiterhin gegeben.

Kurzfristig dürfte es für Gold allerdings noch einer größeren Kraftanstrengung bedürfen, um endlich wieder Schlagzeilen zu machen. Der Goldpreis konsolidiert seit einigen Wochen zwischen den Marken von 2.300 und 2.400 US-Dollar. Das Allzeithoch von rund 2.450 US-Dollar ist in den letzten Tagen wieder etwas näher gerückt, doch bisher war in diesem Bereich in charttechnischer Hinsicht „der Deckel drauf“. Und es mehren sich die Stimmen, die vor einer längeren Konsolidierung bei Gold warnen, bevor neue Rekorde erzielt werden können. Dies wäre allerdings kein schlechtes Zeichen, sondern eine völlig gesunde Entwicklung – denn eines haben die letzten Wochen gezeigt: Gold ist im Bereich um 2.300 US-Dollar exzellent unterstützt und hat einen soliden Boden ausgebildet, der als Fundament für das nächste Kursfeuerwerk dienen sollte.

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