Wurde die Goldpreis-Explosion im Hinterzimmer zusammengemischt?

Zahlen des World Gold Council machen deutlich: Die Nachfrage der Zentralbanken und der Privatanleger in China allein haben nicht dazu geführt, dass der Goldpreis neue Allzeithochs erreicht hat. Den Hintern der Goldanleger gerettet hat ausgerechnet ein Teil des Marktes, den selbst der Gold-Branchenverband höchstpersönlich als „undurchsichtig“ bezeichnet.

Das erste Drittel des Jahres 2024 ist vorbei und die Edelmetalle haben eine starke Performance seit Jahresbeginn hingelegt: Gold und Silber sind in Euro um 15 Prozent und in US-Dollar um 12 Prozent gestiegen. Die Rallye der vergangenen Monate hat viele Beobachter überrascht und zu einem regelrechten Bullshit-Bingo der Glaskugel-Leserei geführt. Von Zinssorgen war die Rede, der Nachfrage der Notenbanken sowie von China, bis hin zu Verschwörungs- und Manipulationstheorien ging die Bandbreite der Erklärungsansätze.

Nun liegen endlich Fakten auf dem Tisch – genauer gesagt die Zahlen des World Gold Council für das erste Quartal des Jahres. Die zentrale Erkenntnis: Die Zentralbankkäufe dürften den Goldpreis gestützt haben und auch künftig die Wertentwicklung des gelben Metalls nach unten absichern, doch der Goldhunger der Feds und EZBs dieser Welt erklärt den Gold-Boom nur teilweise. Vielmehr wurde die Goldpreis-Explosion in einem Bereich des Marktes zusammengemischt, die der World Gold Council höflich auf Englisch „opaque“ nennt, also „undurchsichtig“: Die Nachfrage nach Gold bei so genannten Over-the-Counter-Transaktionen (OTC) ist auf 136 Tonnen gestiegen, während aus den börsengehandelten Gold-Fonds (ETF) rund 113 Tonnen Gold abgeflossen sind.

Undurchsichtig, unreguliert, unberechenbar

Der OTC-Goldmarkt ist sozusagen das Hinterzimmer des weltweiten Goldhandels – hier können außerhalb regulierter Börsen die Käufer und Verkäufer direkt Verhandlungen führen und Transaktionen durchführen. Daran gibt es umfangreiche Kritik. Allen voran: Mangelnde Transparenz.

Over-the-counter (OTC) wird physisches Gold in Form von Good-Delivery-Barren gehandelt / Bildnachweis: © Eigenes Werk

Der OTC-Goldhandel findet oft privat zwischen Parteien statt, sodass die Preisgestaltung freihändig geschieht und Bedenken hinsichtlich Markmanipulation und unfairer Praktiken aufkommen lässt. Zudem besteht auf dem OTC-Markt ein hohes Gegenparteirisiko: Da OTC-Transaktionen bilaterale Vereinbarungen zwischen Parteien sind, besteht ein höheres Risiko von Zahlungsausfällen oder Nichtlieferung durch eine der Vertragsparteien.

Und nicht zuletzt gibt es Liquiditätsbedenken: OTC-Märkte können während Zeiten von Marktstress oder Volatilität unter geringerer Liquidität leiden im Vergleich zu börsennotierten Märkten. Diese mangelnde Liquidität kann es für die Teilnehmer schwieriger machen, Gold zu fairen Preisen zu kaufen oder zu verkaufen.

Zentralbanken bauen Netz und doppelten Boden für Gold

Während auf dem OTC-Markt also offenbar umfangreiche Wetten auf steigende Goldpreise laufen, haben auch die Zentralbanken im ersten Quartal einen neuen Rekord bei den Goldkäufen aufgestellt: Nit einem Nettonachfragevolumen von 290 Tonnen war das erste Quartal 2024 der stärkste Start in ein Jahr seit Aufzeichnungsbeginn. Die Käufe waren breit gestreut, wobei China, die Türkei und Indien führend waren. Dies stützt die Erwartung, dass die Nachfrage der Zentralbanken auch 2024 robust bleiben wird.

Goldreserven der Nationalbank / Bildnachweis: © OeNB

Die Bedeutung der Zentralbanken für die Goldnachfrage nimmt also immer weiter zu, inzwischen machen sie Viertel der jährlichen Goldnachfrage aus. Trotz der hohen Käufe in den letzten Jahren setzte sich die starke Nachfrage im Jahr 2024 fort, auch angesichts des erneuten Goldpreisanstiegs. Die offiziellen Goldreserven stiegen im ersten Quartal um netto 290 Tonnen, der höchste Wert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2000.

Die Käufe wurden hauptsächlich von Zentralbanken in Ost- und Zentralasien getätigt, wobei die People’s Bank of China ihren jüngsten Schwung fortsetzte und ihre Goldreserven um 27 Tonnen erhöhte. Andere Zentralbanken in der Region, darunter die Reserve Bank of India, die Nationalbank von Kasachstan und die Zentralbank der Türkei, verzeichneten ebenfalls signifikante Käufe. In Europa und im Nahen Osten erwarben einige Zentralbanken ebenfalls Gold.

Physisches Investment: Chinesische Privatanleger fegen den Markt leer

Auch bei den physischen Investments der Bevölkerung sticht China hervor, das Reich der Mitte ist die treibende Kraft und verzeichnete das stärkste Quartal seit 2017 – allein im ersten Quartal 2024 kauften chinesische Privatanleger rund 110 Tonnen Gold. Das entspricht einem Zuwachs von 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – die Renmimbi-Schwäche in den ersten zwei Monaten des Jahres schürten die Bedürfnisse vieler Chinesen, ihr Erspartes zu schützen, dazu kam eine starke saisonale Geschenkenachfrage.

China Panda 1 Ons (1994)
China Panda (1994) Large Date | 1 Unze | Goldmünze 2.704,40 

Neben China waren auch andere Märkte im ersten Quartal stark: In Indien gab es ebenfalls eine starke Nachfrage und auch die Türkei verzeichnete wegen einer hohen Inflation und politischer Spannungen eine weiterhin starke Nachfrage nach Gold als sicheren Hafen und Inflationsschutz. Im Mittleren Osten blieb die Nachfrage trotz hoher Basis im Vorjahr robust, wobei der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate die wichtigsten Märkte sind.

Kasse machen statt Vermögensschutz verstärken: Im Westen nichts Neues?

Anders sah es im ersten Quartal 2024 im Westen aus: Die Investitionsmärkte in den USA und Europa verzeichneten im ersten Quartal einen moderaten Rückgang beim Kauf neuer Goldbarren und -münzen, jedoch gleichzeitig einen deutlichen Anstieg beim Rückkauf. Die Folge: Ein starker Rückgang der Gesamtnachfrage. In den USA verlangsamte sich das Investitionsinteresse gegen Ende 2023. Dieser Trend setzte sich auch 2024 fort, da Gewinnmitnahmen im Fokus standen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die US-amerikanische Investment-Nachfrage um 44 Prozent auf 18 Tonnen gefallen. Die anhaltende Sorge über anhaltende Konflikte im Nahen Osten und der Ukraine, die Notwendigkeit von Diversifikationsstrategien und ein hilfreicher – wenn auch geringfügiger – Schub durch den jüngsten Einstieg der Supermarktkette „Costco“ in den Goldbarrenmarkt hielten die Nachfrage auf einem noch akzeptablen Niveau.

Noch dramatischer fällt die Entwicklung in Europa aus: Die regionale Nachfrage von nur noch 18 Tonnen war halb so hoch wie im ersten Quartal 2023. In Deutschland sind die Goldimporte auf 6,6 Tonnen gefallen und haben sich von 12,6 Tonnen ebenfalls halbiert. Noch heftiger traf es den österreichischen Markt: Goldimporten von 1,3 Tonnen im ersten Quartal 2023 stehen Importe von nur noch 0,2 Tonnen zwischen Januar und März 2024 gegenüber.

Zwar spiegeln diese Zahlen nur einen Teil des Marktes wider, denn in Deutschland und Europa konnten die Edelmetallhändler im ersten Quartal ihren Bedarf vor allem aus Ankäufen decken. Doch der Einbruch der Goldimporte im DACH-Raum, während anderswo die Goldimporte deutlich gestiegen sind, zeigt: Deutschsprachige Anleger haben in den letzten Monaten erstmal Kasse gemacht und hoffen auf einen Rückgang des Goldpreises, um günstig nachkaufen zu können. Ob diese Hoffnung erfüllt wird? Im schlimmsten Fall wird die DACH-Region endgültig abgehängt und das Gold der Deutschen wandert zunehmend in chinesische Tresore.

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