Wie hoch kann Gold noch steigen?

Papiergeld vergeht. Gold bleibt: Seit Jahrzehnten steigt der Goldpreis parallel zur globalen Schulden-Explosion. // Bildnachweis: Goldreporter.de

Wie weit kann die Goldhausse noch laufen? Das Geldsystem setzt die Grenze!

Der Goldpreis ist zuletzt spürbar zurückgekommen. Nach der starken Rally der vergangenen Jahre gerieten die Kurse zwischenzeitlich deutlich unter Druck. Steigende Marktzinsen, Gewinnmitnahmen und eine nachlassende Risikoaversion belasteten den Markt.

Doch eine entscheidende Frage bleibt bestehen: Wie hoch kann der Goldpreis langfristig überhaupt noch steigen?

Dabei führt die Diskussion oft in die falsche Richtung. Denn streng genommen steigt nicht primär der Wert von Gold. Vielmehr verlieren Papierwährungen kontinuierlich an Kaufkraft.

Gold als Spiegel der Geldentwertung

Seit der Aufgabe der Goldbindung des US-Dollars Anfang der 1970er-Jahre befindet sich das globale Finanzsystem in einem ungedeckten Papiergeldregime. Staaten, Notenbanken und Banken können seither Geld und Kredite praktisch unbegrenzt ausweiten.

Parallel dazu explodierten weltweit die Schuldenstände. Alte Schulden werden regelmäßig durch neue finanziert. Gleichzeitig wächst der politische Druck, Haushalte durch zusätzliche Kredite zu stabilisieren, statt Ausgaben zu kürzen oder Sozialleistungen einzuschränken.

Für Regierungen ist dieser Weg oft der einfachere. Denn schleichende Inflation wird von der Bevölkerung meist weniger direkt wahrgenommen als harte Sparprogramme oder Steuererhöhungen. Gold reagiert auf diese Entwicklung seit Jahrzehnten mit einem langfristigen Aufwärtstrend.

Nicht Gold wird teurer – Geld wird schwächer

Wer den Goldpreis nur als Spekulationsobjekt betrachtet, greift zu kurz. Gold ist vor allem ein Gradmesser für das Vertrauen in Währungen und Geldpolitik.

Während Papiergeld theoretisch unbegrenzt vermehrt werden kann, bleibt Gold ein knappes Gut. Die Fördermenge wächst nur langsam. Deshalb reagiert Gold langfristig meist mit steigenden Preisen, wenn immer mehr Geld auf eine begrenzte Menge realer Werte trifft.

Historisch zeigt sich dieses Muster deutlich. Der Goldpreis stieg seit den 1970er-Jahren nicht geradlinig, sondern in großen Wellenbewegungen. Zwischen starken Anstiegen kam es immer wieder zu heftigen Korrekturen. Dabei wurden spekulative Übertreibungen regelmäßig bereinigt.

Auch die jüngste Schwächephase passt in dieses Bild:

Gold bewegt sich seit über 50 Jahren in einer übergeordneten Hausse (logarithmische Darstellung) . Immer wieder kommt es zu kräftigen Korrekturen, in denen spekulative Übertreibungen abgebaut werden – der langfristige Trend bleibt jedoch intakt.

Charttechnik als Prognose-Tool?

Kurzfristig spielt Charttechnik am Goldmarkt durchaus eine Rolle. Unterstützungen, Widerstände oder gleitende Durchschnitte beeinflussen das Verhalten vieler Marktteilnehmer.

Für eine langfristige Goldpreis-Prognose ist Charttechnik jedoch nur eingeschränkt geeignet. Denn über Jahrzehnte entscheidet vor allem die fundamentale Entwicklung des Geldsystems.

Goldpreis-Prognosen der Banken orientieren sich häufig an bestehenden Trends und kurzfristigen Konjunkturerwartungen. Deshalb entstehen regelmäßig spektakuläre Kursziele von 5.000, 8.000 oder 10.000 Dollar je Unze. Solche Prognosen erzeugen Aufmerksamkeit. Allerdings bleibt ihre Aussagekraft begrenzt.

Letztlich hängt der Goldpreis vor allem davon ab, wie stark das Vertrauen in Währungen und Staatsfinanzen erodiert.

Kann der Goldpreis unendlich steigen?

Rein rechnerisch lautet die Antwort: JA.

Denn bei einem vollständigen Währungskollaps nähert sich der Wert des Geldes gegen null. In einem solchen Szenario würde der nominelle Goldpreis theoretisch unbegrenzt steigen.

Historische Beispiele reichen von der Hyperinflation in der Weimarer Republik bis zu modernen Währungskrisen in Venezuela oder Simbabwe. Nicht Gold wurde dort plötzlich wertvoller. Vielmehr verlor das Geld dramatisch an Kaufkraft.

Natürlich bedeutet das nicht automatisch, dass sich ähnliche Szenarien in den großen westlichen Währungen kurzfristig wiederholen. Dennoch zeigt die Geschichte, wie empfindlich Papiergeldsysteme auf Vertrauensverluste reagieren.

Hyperinflation: 2009 gab die Nationalbank von Simbabwe Banknoten mit einem Wert 1 Billionen bis 100 Billionen aus.

Goldpreisprognose: Was bedeutet die übergeordnete Goldhausse langfristig?

Seit der Aufgabe des Goldstandards Anfang der 1970er Jahre ist der Goldpreis pro Jahr um rund 8 Prozent gestiegen. Besonders dynamisch verlief die Entwicklung seit Beginn der 2000er-Jahre. Seit 1999 stieg der Goldpreis im Mittel sogar um fast 11 Prozent pro Jahr.

Unterstellt man vereinfacht, dass sich diese Entwicklung fortsetzt, ergeben sich bemerkenswerte Größenordnungen.

Die sogenannte „72er-Regel“ zeigt: Bei 8 Prozent jährlichem Wachstum verdoppelt sich ein Wert ungefähr alle neun Jahre.

Ausgehend von einem Goldpreis von 4.500 US-Dollar (3.900 Euro) ergäben sich theoretisch folgende Größenordnungen (Details zeigt das Schaubild unten) folgende Goldpreisprognose:

  • In 10 Jahren: rund 9.700 US-Dollar (8.420 EUR)
  • In 20 Jahren: rund 20.900 US-Dollar (18.100 EUR)
  • In 30 Jahren: rund 45.000 US-Dollar (39.200 EUR)

Natürlich handelt es sich dabei nicht um konkrete Vorhersagen. Vielmehr zeigt die Rechnung, welche Wirkung langfristige Geldentwertung und Zinseszinseffekte entfalten können.

Was zeigt die Grafik? Selbst nach Abzug einer durchschnittlichen Inflation von 3 % pro Jahr würde Gold bei einem nominalen Anstieg von 8 % pro Jahr seinen realen Wert deutlich steigern.

Steigende Zinsen: Gefahr und Treiber zugleich

Kurzfristig wirken steigende Zinsen häufig belastend auf den Goldpreis. Die Goldhausse bis 1980 endete mit massiven Zinserhöhungen durch die Fed.

Denn höhere Renditen machen zinstragende Anlagen attraktiver und Kapital wird in den Geldmarkt umgeschichtet.

Langfristig kann derselbe Mechanismus jedoch zum Problem für Staaten werden. Insbesondere heute, wo die weltweite Verschuldung aufgrund fehlender Geldmengenbeschränkung extrem fortgeschritten ist.

Denn mit höheren Zinsen steigen auch die Finanzierungskosten der gigantischen Schuldenberge.

Dadurch wächst das Risiko von Haushaltskrisen, Rettungspaketen oder erneuter Geldschöpfung durch Notenbanken. Genau diese Entwicklungen stärken langfristig wiederum die Nachfrage nach Gold.

Aber unser heutiges Geldsystem ist auf niedrige Zinsen angewiesen.

Vertrauen bleibt der entscheidende Faktor

Am Ende geht es beim Goldpreis vor allem um Vertrauen. Vertrauen in Währungen. Vertrauen in Staatsfinanzen. Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems.

Solange Staaten immer neue Schulden aufnehmen und Notenbanken Geldmengen ausweiten, bleibt Gold für Anleger eine Absicherung gegen Kaufkraftverlust.

Ein Ende dieser Schulden- und Geldpolitik ist derzeit kaum erkennbar. Vor diesem Hintergrund kann man Rückschläge am Goldmarkt auch weiterhin als Korrektur innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends betrachten – nicht als dessen Ende.

Fazit: Wo Schuldenberge sich weiter hemmungslos auftürmen und die Kaufkraft unseres Geldes systematisch sinkt, gibt es auch für den Goldpreis-Anstieg keine Grenze.

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