Goldpreis weiter unter Druck: China kauft in die Korrektur hinein
Der Goldpreis kommt weiter nicht richtig auf die Beine. Seit dem Rekordhoch Anfang des Jahres befindet sich das Edelmetall in einem inzwischen rund sechsmonatigen Abwärtstrend. Zwar gab es zuletzt wiederholt Erholungsversuche. Doch bislang reichte es nicht für eine echte Trendwende.
Das Bild bleibt damit angeschlagen. Immer wieder kann sich der Goldpreis kurzfristig erholen. Doch sobald neue Belastungsfaktoren auftauchen, geraten die Kurse wieder unter Druck. Von einer stabilen Erholung kann deshalb noch keine Rede sein.
Dabei wirkt noch immer die starke Rally vom Jahresanfang nach. Gold war damals sehr weit gelaufen. Vom Rekordhoch entfernt notierte das Edelmetall zuletzt rund 25 Prozent tiefer. Silber hat sogar etwa die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Diese Rückgänge zeigen, wie stark die vorherige Aufwärtsbewegung überdehnt war.
Marktzinsen steigen wieder
Ein wichtiger Gegenwind kommt derzeit von den Anleihemärkten. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen näherte sich zuletzt wieder der Marke von 4,6 Prozent. Auch der US-Dollar zeigte sich fester.
Damit fehlt Gold derzeit ein wichtiger Rückenwind. Denn sobald am Markt wieder über höhere Zinsen gesprochen wird, geraten Edelmetalle schnell unter Druck. Genau das war in den vergangenen Wochen zu beobachten (siehe Grafik unten).
Dazu kommt: Die Anleger rechnen nicht mehr selbstverständlich mit einer lockereren Geldpolitik. Vielmehr sind wieder Zinserhöhungen im Gespräch. Laut FedWatch Tool liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Juli inzwischen bei knapp einem Drittel. Für September wird ein solcher Schritt bereits mit rund zwei Dritteln eingepreist. Für Oktober liegt die Wahrscheinlichkeit sogar bei rund 75 Prozent.
Damit bleibt die US-Notenbank ein entscheidender Faktor. Jede neue Zahl zur Inflation, zum Arbeitsmarkt oder zur Konjunktur kann die Erwartungen schnell verändern. Das macht den Goldpreis kurzfristig anfällig.
Iran-Konflikt bringt alten Belastungsfaktor zurück
Hinzu kommt die neue Eskalation im Iran-Konflikt. Dadurch rückt ein Thema wieder in den Vordergrund, das zuletzt etwas gedämpft war: steigende Energiepreise, höhere Inflation und damit auch wieder mehr Druck auf die Notenbanken.
Wenn Öl und Gas teurer werden, steigen in der Regel auch die Inflationssorgen. Genau das ist für Gold derzeit ein zweischneidiges Schwert. Einerseits suchen Anleger in Krisenzeiten oft Sicherheit. Andererseits fürchten die Märkte dann auch wieder höhere Zinsen.
In den vergangenen Wochen überwog häufig der zweite Effekt. Gold profitierte also nicht dauerhaft von geopolitischen Spannungen. Stattdessen wurde vor allem auf die möglichen Folgen für Inflation und Geldpolitik geschaut.
Der neue Fed-Chef Kevin Warsh, von US-Präsident Donald Trump nominiert, hatte mit Aussagen über sinkende Inflationsrisiken zwischenzeitlich für Entlastung gesorgt. Das half auch dem Goldpreis. Doch diese Entspannung bleibt wackelig. Sollte der Iran-Konflikt die Energiepreise erneut nach oben treiben, könnte sich die Einschätzung der Fed schnell wieder ändern.
Etwas Erleichterung brachten zuletzt schwächere US-Arbeitsmarktdaten. Sie nahmen der Notenbank ein wenig Druck, die Zinsen weiter anzuheben. Doch ausgestanden ist das Thema damit nicht.
China greift bei Gold weiter zu
Während der Goldpreis an den Märkten unter Druck steht, zeigt sich auf der physischen Seite ein anderes Bild. China kauft weiter große Mengen Gold.
Besonders auffällig sind die Lieferungen aus der Schweiz. In den vergangenen Monaten sind die Ausfuhren in Richtung China und Hongkong stark gestiegen. Seit Jahresbeginn summieren sich diese Lieferungen auf knapp 200 Tonnen.
Damit nutzt China den Preisrückgang offenbar gezielt, um mehr physisches Gold aufzunehmen. Das gilt nicht nur für den privaten oder institutionellen Markt. Auch die chinesische Zentralbank hat wieder kräftig zugekauft.
Im Juni stockte die Notenbank ihre offiziellen Goldreserven um knapp 15 Tonnen auf. Das war der stärkste monatliche Zuwachs seit Oktober 2023. Seit März 2026 erhöhten sich die chinesischen Goldreserven damit um knapp 38 Tonnen.
Diese Käufe passen zu einer langfristigen Strategie. China baut seine Goldreserven seit Jahren aus. Dahinter steht auch das Ziel, unabhängiger vom US-Dollar und vom westlich geprägten Finanzsystem zu werden. Gold ist dabei ein politisches und finanzielles Gegengewicht. Es liegt physisch vor, ist weltweit akzeptiert und kann nicht beliebig gedruckt werden.
Warum Chinas Käufe den Preis nicht sofort treiben
Auffällig ist: Trotz dieser großen Goldkäufe steigt der Preis nicht automatisch. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Doch der Grund liegt in der Art, wie große Goldmengen gehandelt werden.
Viele dieser Geschäfte laufen nicht über die sichtbaren Börsen, sondern direkt zwischen Banken, Raffinerien, Zentralbanken und großen Marktteilnehmern. Dieses außerbörsliche Geschäft wird als OTC-Handel bezeichnet.
Dort wechseln große Mengen physisches Metall den Besitzer, ohne dass dies sofort als starker Preisschub an den Börsen sichtbar wird. Der täglich sichtbare Goldpreis wird dagegen stark von Futures, ETFs, kurzfristigen Wetten und den Erwartungen an Zinsen und Dollar bestimmt.
Deshalb kann beides gleichzeitig stimmen: China kauft große Mengen Gold, und trotzdem bleibt der Goldpreis kurzfristig schwach. Langfristig stützt diese Nachfrage den Markt. Kurzfristig dominieren aber oft andere Kräfte.
Die Widersprüchlichkeit zeigt sich auch in der Handelspolitik. Denn einerseits hat China zuletzt die Regeln für den Im- und Export von Gold gelockert. Auf der anderen Seite dämpften chinesische Großbanken die Goldpreis-Spekulation durch Privatanleger, indem sie sich aus diesem Geschäft zurückzogen.
Dass Gold in China seit Wochen unter oder nahe dem europäischen Kurs gehandelt wird, ist ebenfalls ein Hinweis auf fehlende direkte Goldpreis-Impulse aus Fernost.
Mehr Bewegung am Terminmarkt
Am US-Terminmarkt hat die Handelsaktivität zuletzt zugenommen. Der Open Interest bei den Gold-Futures ist gestiegen. Gleichzeitig wurden mehr Short-Positionen aufgebaut. Große Marktteilnehmer haben sich also stärker gegen fallende Preise abgesichert beziehungsweise auf weitere Schwäche gesetzt.
Das bedeutet nicht automatisch, dass der Goldpreis weiter fallen muss. Es zeigt aber: Die Unsicherheit bleibt hoch. Der Markt reagiert derzeit sehr stark auf neue Nachrichten. Meldungen zum Iran-Konflikt, neue US-Konjunkturdaten oder Aussagen der Fed können die Richtung kurzfristig ändern.
Ein klarer Aufwärtstrend ist daraus bislang nicht entstanden. Dafür müsste Gold mehrere Erholungen hintereinander bestätigen und wichtige Preisbereiche zurückerobern. Bis dahin bleibt jeder Anstieg zunächst nur eine Gegenbewegung in einer laufenden Korrektur.
Juli bietet etwas bessere Vorgaben
Auch die Jahreszeit spielt eine Rolle. Der Juni machte seinem Ruf als schwächster Goldmonat des Jahres in diesem Jahr alle Ehre. In Euro gerechnet verlor der Goldpreis knapp 10 Prozent.
Für den Juli sehen die historischen Vorgaben etwas besser aus. Der Monat liegt im saisonalen Vergleich immerhin im Mittelfeld. Zudem legte Gold in den vergangenen drei Jahren jeweils im Juli zu. Auch August und September zählen tendenziell eher zu den freundlicheren Monaten für Gold.
Das allein garantiert aber keine Erholung. Entscheidend bleibt, ob der Markt wieder Vertrauen fasst und ob der Druck von Zinsen und Dollar nachlässt.
Fazit: China kauft, der Markt zögert
Gold bleibt vorerst in der Korrektur. Der Preis hat sich zwar zeitweise erholt, aber noch keinen stabilen neuen Aufwärtstrend begonnen. Das Umfeld bleibt schwierig: steigende US-Renditen, ein festerer Dollar und neue Inflationssorgen durch den Iran-Konflikt belasten.
Gleichzeitig zeigt China, wie langfristige Goldpolitik aussieht. Dort wird nicht hektisch auf Tageskurse geschaut. Vielmehr nutzt das Land den Rücksetzer, um seine Goldbestände weiter auszubauen. Die hohen Lieferungen aus der Schweiz und die jüngsten Zentralbankkäufe sprechen eine klare Sprache.
Für Anleger ergibt sich daraus ein gemischtes Bild. Kurzfristig bleibt Gold anfällig. Langfristig aber hat sich am Grundargument für physisches Gold wenig geändert. Im Gegenteil: Gerade die geopolitischen Spannungen, die hohe Staatsverschuldung und der Wunsch vieler Länder nach mehr Unabhängigkeit vom US-Dollar sprechen weiter für Gold.
Wer bereits investiert ist, braucht Geduld. Wer nachkaufen möchte, muss nicht alles auf einmal tun. Schrittweise Käufe können in einer solchen Korrektur sinnvoller sein als der Versuch, den perfekten Tiefpunkt zu erwischen. China macht es vor: kontinuierlich kaufen, wenn der Markt schwach ist.
Eine echte Trendwende ist damit noch nicht bestätigt. Aber die Korrektur hat Gold und Silber deutlich günstiger gemacht. Für langfristige Anleger kann genau das der wichtigste Punkt sein.