Gold auf Rekord-Niveau: Machen Sie nicht diesen Fehler!

Viele Anleger haben im Zuge der jüngsten Goldpreis-Rally enormen Mengen an Edelmetall verkauft. Das könnte sich für einige noch bitter rächen. / Bildnachweis: Goldreporter.de

Ist Gold billig oder teuer?

Seit Monaten sehen wir im Edelmetall-Handel eine fast ungebremste Tendenz. Anleger verkaufen Gold und Silber, weil der Goldpreis historische Höchststände erreicht hat und auch der Silberpreis stark zulegte. Gewinnmitnahmen sind keine Schande. Und das gilt auch für erfahre Goldfreude. Doch dabei gibt es einige wichtige Dinge zu bedenken.

Rückblick

Der große Kaufrausch im Edelmetall-Handel begann hierzulande mit der Weltfinanzkrise im Jahr 2008. Erst wenige Monate vorher hatte ich die Internetseite Goldreporter.de ins Leben gerufen. Vor allem deshalb, weil ich eine Vorahnung hatte und ich mich in den Jahren zuvor selbst orientieren musste. Wie und wo kauft man eigentlich Goldbarren und Goldmünzen?

In Deutschland gab es nur eine Handvoll Händler, die sich tatsächlich auf den Verkauf von Edelmetall zu Anlagezwecken spezialisiert hatten. Im Internet waren kaum Informationen verfügbar. Also beschloss ich, meine Erfahrungen über eine eigene Internetplattform weiterzugeben.

Der große Goldpreis-Anstieg

Als die Bombe in den USA hoch ging, war ich gerade im Urlaub. Ins Netz kam ich nur über ein Internet-Café. Am Tag, als Lehman Brothers endgültig fallen gelassen wurde, explodierte der Goldpreis um 100 Euro. Das war übrigens erst zwei Tage nach der offiziellen Insolvenzmeldung.

Als klar wurde, dass die US-Investmentbank Lehman Brothers nicht gerettet wird, stieg der Goldpreis an einem Tag um 14 Prozent. Heute entspräche dies einem Tagesgewinn von 300 Euro.

Zur Einordnung: Der Preis für die Goldunze hatte am Vortag 780 US-Dollar betragen. Dann, am 17. September 2008 schnellte er rauf auf bis zu 890 US-Dollar, was einem Kursanstieg von 14 Prozent an einem einzigen Tag entsprach. Das wäre so, als würde der Goldpreis heute von 2.150 auf 2.450 Euro ansteigen – also ein Goldpreis-Sprung von 300 Euro.

Kaufpanik

Am gleichen Tag explodierten die Zugriffe auf Goldreporter.de und ein Run auf Edelmetalle setzte ein.

Seither haben wir mehrfach dramatische Engpässe bei der Versorgung mit Anlagemetall erlebt – später in der Eurokrise und auch während der Corona-Krise wurden Gold und Silber im Handel knapp und die Aufschläge stiegen stark an.

So waren Krügerrand-Goldmünzen in ruhigen Zeiten mit einem Aufgeld von weniger als 4 Prozent zu haben, wie derzeit. In den Phasen des Goldbooms verteuerten sich diese Goldstücke auf bis zu 16 Prozent über Spot – so etwa Anfang April 2020.

Krugerrand | 1 unca | Zlatnik 2.263,40 

Erfolgsbilanz

Doch kommen wir zurück zur derzeitigen Lage. Wer damals, also im Jahr 2008 Gold kaufte, ist heute 16 Jahre älter. Eine ganze Reihe dieser Anlegerinnen und Anleger befinden sich nun sicherlich neu im Ruhestand. Der Goldpreis hat sich in diesem Zeitraum praktisch verdreifacht. Und das entspricht einer jährlichen Rendite von 7 Prozent.

Und mit diesem (nun steuerfreien, renditereichen) Erlös kann sich so mancher nun seinen Lebensarbeit finanziell versüßen.

Aber zugleich darf man nicht vergessen, dass die großen Krisen praktisch aus heiterem Himmel kommen. Klar, es gab immer frühe Warnzeichen. 2008/2009 stand die westliche Welt bereits vor einer finanziellen Kernschmelze. Deshalb war die Panik groß und sie wird erneut groß sein, wenn der nächste vermeintlich “Schwarze Schwan” auf der Bildfläche erscheint.

Diese Erkenntnis sollten sich all jene in Erinnerung rufen, die nun große Cash-Bestände auf ihren Konten ansammeln oder das Geld in vermeintlich sicheren Rentenpapieren parken.

Die Deutsche Bundesbank beziffert das deutsche Finanzvermögen privater Haushalte per Ende 2023 mit rund 7,71 Billionen Euro. Knapp 42 Prozent oder 3,3 Billionen Euro entfallen auf "Bargeld und Einlagen". Dagegen ist der Wert des verfügbaren Anlagegoldes kaum der Rede wert // Bildnachweis: Deutsche Bundesbank

Und diese Tendenz verstärkt sich derzeit wieder. Die Deutsche Bundesbank bezifferte das Finanzvermögen in Deutschland per Ende 2023 mit 7,71 Billionen Euro (siehe Grafik oben). Ein Anstieg um 250 Milliarden Euro gegenüber Vorquartal. Dazu beigetragen hat auch die positive Entwicklung an den Aktienmärkten. Das darf man nicht verschweigen.

Währenddessen haben die Deutschen aufgrund der gestiegenen Zinsen auch wieder mehr Geld angelegt. Aber auf „Bargeld und Einlagen“ entfiel mit 41,7 Prozent oder 3,2 Billionen Euro umgerechnet immer noch der größte Anteil des Geldvermögens.

Zum Vergleich, um ein Gefühl für die “Aufnahmekapazität” des Goldmarktes zu bekommen: Im bisherigen Rekordquartal 3/2022 gab es in Deutschland laut den Zahlen des World Gold Council eine Nachfrage nach Anlagegold im Wert von 2,67 Milliarden Euro. Im vierten Quartal 2008 (Lehmann-Pleite) waren es 2,28 Milliarden Euro. Und in beiden Fällen waren die Edelmetall-Shops in Deutschland praktisch ausverkauft.

Deutsche Quartalsnachfrage nach Anlagegold seit 2010: Nähert sich der Wert der 2,5-Milliarden-Euro-Grenze, dann sind die Edelmetall-Shops in Deutschland und Österreich praktisch ausverkauft // Quelle: World Gold Council; Berechnung/Grafik: Goldreporter

Kommen wir zum Kern dieses Beitrags. Das denkbar ungünstigste Szenario für jemanden, der jetzt Gold in großen Stil verkauft: Der Anleger hatte zwar frühzeitig die Notwendigkeit des Goldbesitzes erkannt, verfügt aber nicht mehr über ausreichend Edelmetall, wenn er/sie es am Nötigsten bräuchte. Dann nämlich, wenn die systematische Geldwertvernichtung endgültig eskaliert.

Krisen-Szenario

Hier ein naheliegendes Eskalations-Szenario: Die Eurokrise bis 2012 war geprägt von einem enormen Anstieg der Anleiherenditen. Stark steigende Zinsen wirken sich dramatisch auf die Kosten der Staatsfinanzierung aus. Griechenland und andere Euro-Randstaaten standen kurz vor dem Bankrott. Derweil müssen alle Staaten/Regierungen Monat für Monat auslaufende Staatsanleihen durch die Ausgabe neuer Staatspapiere refinanzieren, um immer stärker aufgeblähte Staatshaushalte zu finanzieren. Die Eurokrise lief auch deshalb aus dem Ruder, weil Hedgefonds mit ihren Spekulationen die Renditen weiter nach oben trieben.

Jede Menge Staatsbankrotte und Währungsreformen in den vergangenen Jahrzehnten. Der Staat entschuldet sich auf Kosten der Bürger // Quelle: Statista

Das Ende sieht dann im ungünstigsten Fall so aus: Wenn der Staat seine Anleihen nicht mehr bedienen kann, bricht das Kartenhaus aus Schulden zusammen. Denn praktisch jede bedeutende Kapitalsammelstelle (Banken, Versicherungen, Rentenfonds etc.) sind die Gläubiger des Staates und daran unmittelbar geknüpft sind Geld- und Zahlungsansprüche von Hinz und Kunz.

Wenn der Staat pleite ist

Dem Staat bleibt nichts anderes übrig, als seine Verbindlichkeiten für nichtig zu erklären. Für Besitzer von Geldvermögen heißt das, das eisern Ersparte ist weg. Spätestens mit der Währungsreform, wie sie sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in Südamerika vielfach ereignet hat (siehe Darstellung oben).

Deshalb die Devise: Nicht der Staat geht Bankrott, sondern seine Bürger. Und: Schulden und Finanzvermögen sind zwei Seiten einer Medaille.

Damit lässt sich auch leicht prognostizieren, wo die Reise hingeht. Um den aufgeblähten Wohlfahrtsstart über die nächsten Jahre hinweg aufrechtzuerhalten, muss der Staat immer höhere Schulden aufnehmen. Somit ist die Staatskrise auch in Europa nur eine Frage der Zeit.

Schlussfolgerungen

Kommen wir zum Schluss: Gold hatte zuletzt zwar mehrfach neue Kursrekorde zu verzeichnen. Der wahre Wert des Goldes drückt sich aber nicht in einer Währung aus.

Wer Edelmetall in Form von Barren und Münzen angehäuft hat, kann sie im Alter Stück für Stück verkaufen, um den Lebensabend mitzufinanzieren. Ganz egal, welche Währung dann die staatliche ist.

Es verbietet sich aber, gerade jetzt Gold und Silber in größerem Stil zu verkaufen und damit große Cash-Bestände oder anderes Finanzvermögen anzuhäufen. Dabei begibt man sich gleichzeitig in die Gefahr, nicht mehr in ausreichendem Maße an das Edelmetall zu kommen, wenn Anleger erneut in Panik die Läden stürmen. Kurz und knapp: Gold ist eine Versicherung und die sollte man keinesfalls ohne driftigen Grund auflösen.

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