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Bargeldverbot in Europa

Weltweit gibt es Gerüchte betreffend eine Abschaffung des Bargeldes. Kritiker meinen, dies würde einer Enteignung entsprechen. Besteht wirklich Grund zur Sorge?

 

 von Walter Hell-Höflinger

 

Aus EU-internen, angeblich bereits vom Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker abgesegneten Papieren geht hervor, dass das Bargeld in der EU ab 2018 komplett abgeschafft werden soll. Es gibt freilich bereits seit Jahren Einschränkungen des Bargeld-Gebrauchs in Europa und weltweit, doch ein völliges Bargeldverbot wäre erstaunlich, sind doch Euro-Banknoten das gesetzliche Zahlungsmittel im Euro-Raum, abgesichert durch den EU-Vertrag.
Über 90 Prozent zahlen in Österreich immer noch regelmäßig bar, wenngleich viele zusätzlich auch Karten und Online-Dienste benutzen. Nationalbankchef Ewald Nowotny sprach vielen aus der Seele: „Bargeld wird weiterhin eine ganz entscheidende Rolle in der Wirtschaft spielen. Wir sind absolut gegen irgendeinen Zwang in der Frage, was ich als Zahlungsmittel verwende.“ (Die Presse)
 
Bargeldlos und frei - oder monetäre Sklaverei im Überwachungsstaat?
 
bargeldverbot„Geld ist geprägte Freiheit“ sagte schon im 19. Jahrhundert der berühmte russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski über das Geld.
"Mehr Kontrolle über den Bürger" wollen die Autoritäten durch ein Bargeldverbot ausüben, kreiden Kritiker an. "Zugriff zum Geld des Volkes zu erhalten" sei ja das Ziel aller Regierungen, aber Bargeld drücke Eigenständigkeit aus, und die sei vielen ein wertvolles Gut.
Geschlossene Banken - wie gerade jetzt in Griechenland, oder damals in Zypern - sind dann die letzte radikale Maßnahme, die den Regierungen bleibt um das Kapital des Volkes zu kontrollieren. Dabei sind natürlich Leid und Not aber auch Ausschreitungen, Plünderungen und die daraus resultierenden Freiheitseinschränkungen mehr als nur mögliche Konsequenzen. Die Politik rüstet dagegen bereits seit 2007 auf - die Eurogendfor ist eine hochgerüstete paramilitärische Eingreiftruppe auf EU-Ebene, ausgestattet mit weitreichenden supranationalen Rechten, um  "Recht und Ordnung" wieder herzustellen wenn es die nationale Exekutive nicht mehr kann (oder will).
 
Geld bereitstellen ist den Banken zu teuer
 
Bankenlobby und Finanzindustrie beklagen, wie teuer das Bereitstellen von Bargeld angeblich sei und verweisen auf Daten wie die "Cost-of-Cash"-Studie des „Research Center for Financial Studies“ in Berlin, wonach die volkswirtschaftlichen Kosten der Bargeldversorgung in die Milliarden gehen. Hingegen liegen die Kosten für ein kartenbasiertes Zahlungsverkehrssystem “nur” im Millionen-Euro-Bereich.
 
EU-Justizkommissarin Martine Reicherts argumentierte, dass ein Bargeldverbot die EU "sicherer mache, weil niemand mehr Angst vor Raubüberfällen haben müsse“. Und das im Zeitalter von Hacking und Cyberattacken.

Jedoch - hat das nicht den Anschein, als wolle hier ein Räuber dem anderen die Beute streitig machen? 
Bei einem Raub kann einem nur das Geld, das man bei sich hat, gestohlen werden. Beschließt die Politik einen „Kontoeinzug“ bei allen Gläubigern von Banken, ist das ein digitaler Raub der gleich ganze Konten leerräumen kann. Dann bleibt nicht einmal mehr der Notgroschen unterm Kopfpolster!
„Bargeld solle verboten werden, damit Schluss mit Geldwäsche sei“, meint Reicherts. Zudem erklärt die EU-Justizkommissarin, „dass Drogenhandel, Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung ja erst durch Bargeld möglich seien. Niemand müsse aber um seine Geldwerte fürchten, auch wenn das Bargeld über Nacht verboten werden sollte, denn wer Bares auf der hohe Kante habe, könne es jederzeit zur Bank bringen“ ... samt Nachweis, woher das Geld stamme (ohne entsprechende Nachweise werde es aber eingezogen - lt. Kommissionsentwurf).

Allseits wird aber die Tatsache ignoriert, dass digitales Geld nur dann verfügbar ist, wenn es auch eine Stromversorgung gibt - und ein immer wichtigerer Faktor - das "Geld"  absolut sicher gegen Hacker ist! (Was ein unmögliches Unterfangen ist, wie laufende Ereignisse zeigen.)
 
Von Bargeldbesitz, Freiheit und Realität
 
Wer Bargeld besitzt, kann jederzeit anonym Gold oder Silber kaufen, und es lassen sich die gefürchteten "Negativzinsen" umgehen – beides zum  Unmut der Zentralbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) verrechnet ja Strafzins auf Geld, das die Banken bei der Notenbank lagern, statt es einzusetzen, etwa als Basis für Kredite an Unternehmen und Privatpersonen. Dadurch bleibt das Geld in den Geschäftsbanken "stecken" und fließt nicht den Wirtschaftskreislauf ein.
Die Banken wollen diese Negativzinsen an die Kunden weitergeben, aber würden solche Strafzinsen plötzlich im großen Stil aktuell, dann käme es zum Versuch der Menschen, ihr Bargeld zu horten, denn niemand will sich zum Geldausgeben zwingen lassen.
Würde aber kein Bargeld existieren und alles Vermögen digital und damit abrufbar sein, hätte die BürgerInnen kaum eine Handhabe gegen die finanztechnische Willkür der Finanzindustrie und Regierung.
 
Mehr Kontrolle über den Bürger
 
Längst schon gibt es in der EU und im Euro-Europa Einschränkungen in der Verwendung von Bargeld. "Kapitalverkehrskontrolle" nennt man es in "Neusprech":
So ist die maximale Rechnungssumme für Barzahlung in Italien jetzt schon 1.000 Euro, in Frankreich wird dieser Betrag ab 09/2015 gelten, in Spanien sind es noch 2.500 Euro, in Belgien und der Slowakei 5.000 Euro, usw.
Ebenso als Bargeldeinschränkungen dienen die Regeln, wieviel Bargeld man als Tourist bei der Einreise in ein Land mitbringen darf. Vorwand ist die einfachere Registrierung "auffälliger Geldbewegungen", aber in Wahrheit geht es um Kapitalverkehrskontrollen.


Alternative DICE: RFID-Chips in neuem Geld

 

Tatsache ist, dass es längst eine angebliche Alternative zur Bargeldlosigkeit gibt: neues Geld. Das österreichisch-deutsche Technologieunternehmen EDAQS stattet Banknoten mit einem hochverschlüsselten RFID-Funkchip aus, und mittels entsprechender Terminals, ob bei Banken oder in Geschäften, "liest" und registriert das "DICE" (Dynamic Intelligent Currency Encryption: dynamische, intelligente Währungs-Kodierung) genannte Geldsystem die Banknote und weiß fortan auch immer, wem sie gehört und wo sie sich befindet. Erste Interessenten für das neue Bargeld gibt es bereits weltweit. Dieses "Bargeld" ist allerdings wiederum vollkommen systemabhängig. Neue $100 US-Dollarscheine sollen bereits alle gechipt sein.
Rein theoretisch könnte man damit jeden beliebigen Geldschein "auf Knopfdruck" ungültig machen - oder eine ganze Serie eines Euro-Landes.

Was kommt als nächstes? Goldverbot?
 
Schon vor mindestens 11 Jahren haben die Nationalbanken wieder begonnen, Gold zu kaufen – denn das Edelmetall gilt heute mehr als je zuvor als internationale Reservewährung. Dies ist ein Paradox in sich, denn einerseits will man dem Bürger alles “Materielle” in Sachen Geld wegnehmen, aber die Sicherstellung für das “Geld”, das nur noch virtuell existieren soll, ist – Gold. Und das wiederum hat nur Wert, wenn es materiell existiert.
Gab es noch 2009 das dritte Goldabkommen unter den Zentralbanken des Euro-Raums, wobei vereinbart wurde, maximal 400 Tonnen Gold pro Jahr zu verkaufen, haben die Banken nun ohnehin wieder eher Interesse daran, zu kaufen. Die Amerikaner versprachen allerdings nie, ihr Gold nicht zu verkaufen, und ihre Bestände bleiben (angeblich) wie sie sind (über 8.000 Tonnen, und damit der größte Goldschatz, den eine Zentralbank weltweit hält). Russland und China sind derzeit die eifrigsten Goldkäufer, sie fingen aber schon etwa 2010 damit an.
Auch das Volk hat den Wert des Volksvermögens erkannt und fordert, wie etwa in Deutschland, Niederlande aber auch Österreich, das Staatsgold "heimzuholen". (siehe: https://www.facebook.com/goldundco.at/posts/463327683832379)
 
Ausblick ins Trübe?
 
Tatsache ist, dass die Vorstellung, bargeldlos leben zu sollen, vielen Menschen Angst macht. “Digitalisierter Geldumlauf” sei nur ein Symptom einer vollkommen “künstlichen” Gesellschaft, meinen viele – und fragen sich zu Recht, was sie eigentlich verbrochen haben, dass sie pauschal “kriminalisiert” und überwacht werden sollen. Warum also die gesamte Bevölkerung “bestrafen”, etwa durch ein Bargeldverbot? Ob es wirklich kommt oder nicht – bleibt abzuwarten.

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Bildnachweis: Pixabay, CC0;
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Walter Hell-HöflingerMag. Walter Hell-Höflinger ist Firmengründer von Gold & Co. und seit mehreren Jahrzehnten in der Edelmetall-Branche tätig.

Er blickt auf eine über 120-jährige Familientradition in der Goldschmuckerzeugung und dem Edelmetallhandel zurück. Mehr...

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