In ersten Halbjahr 2026 erlebte der Goldpreis einen beachtlichen Preissturz. Nach einer monatelangen Rallye hatte der Spotpreis für die Unze Feingold im Jänner bei fast 5600 US-Dollar gelegen. In den darauffolgenden Monaten aber stürzte der Goldkurs ab und notierte Mitte Juli sogar unter der Marke von 4000 Dollar. Aber muss man diesen Rücksetzer als Gold-Crash bezeichnen? Oder ist es nicht vielmehr eine Korrektur und ein “Druck ablassen” nach einer Rekordjagd mit immer neuen Höchstständen.
Gold als sicherer Hafen: Warum fällt der Goldpreis trotzdem?
Gold gilt als Krisenwährung. Als sicherer Hafen. Doch warum fällt der Goldpreis dann in diesen Krisenzeiten trotzdem so stark?
Nun, eine Krise an den Finanzmärkten scheint es überhaupt nicht zu geben: Der KI-Boom an den Börsen wirkt trotz aller Unkenrufe ungebrochen. Zwar sprechen alle von einer KI-Blase, doch bis diese vermeintliche Blase rund um Künstliche Intelligenz, Chips und Rechenzentren endgültig platzt, dürfte die FOMO (Fear of Missing Out) bei Investoren so groß sein, dass Kapital weiter eher in AI- und Technologiewerte fließt. Kapital, das eben teils aus anderen Märkten und Vermögensklassen, darunter Gold, abgezogen wird.
Bleibt die geopolitische Unsicherheit. Hier darf man sicherlich den Irankrieg als momentan wichtigsten Faktor heranziehen.
Nach den Angriffen und in Folge des nunmehr zentralen Konflikts um die Straße von Hormuz stiegen Öl- und Energiepreise weltweit an. Und bei steigenden Ölpreisen, geht auch immer das Risiko einer höheren Inflation einher. Zinssenkungen bedeutender Zentralbanken, auf die viele Investoren gehofft hatten, werden entsprechend unwahrscheinlicher. Selbst der von Trump ausgewählte, neue FED-Chef Kevin Warsh lies zuletzt den Leitzins unverändert – obwohl der US-Präsident so stark auf Zinssenkungen pochte. Die Renditen von US-Staatsanleihen haben in Folge wieder angezogen. Und während diese als sicher geltenden Anleihen so laufende Erträge abwerfen, zahlt Gold nun mal keine Zinsen.
Crash oder Korrektur
Ein solch massiver Rückgang – wir sprechen hier schließlich von etwa -28% in nur 6 Monaten – ist für das als stabil geltende Edelmetall natürlich trotzdem bemerkenswert.
Dennoch darf man nicht vergessen, dass dem Absturz eben eine spektakuläre Rekord-Rallye vorherging. Der Goldpreis hatte sich von Anfang 2024 bis Anfang 2026 mehr als verdoppelt.
Von einem Goldpreis-Crash zu sprechen ist daher möglicherweise nicht wirklich angebracht. Vielmehr zeigt vor allem ein fallendes Interesse an Papiergold-Produkten (vor allem Gold-Futures), dass sich primär spekulative Anleger aus dem Goldmarkt zurückgezogen haben. Man darf also davon ausgehen, dass hier viele Investoren ihre Gewinne „mitgenommen“ haben, um auf Märke „weiterzuziehen“, die kurzfristig höhere Spekulationsgewinne versprechen.
Ausblick: Was sind die Goldpreis-Prognosen für den Herbst 2026?
Tatsächlich haben viele Marktbeobachter nach dem Rückgang ihre Goldpreis-Prognosen korrigiert: Als durchschnittlichen Jahrespreis für die Feinunze Gold erwarten die Investoren einen Wert um die 4.500 Dollar.
Dennoch sehen die meisten Analysten das generelle Marktumfeld für einen steigenden Goldpreis. Analysten der Deutschen Bank sehen Gold weiterhin in einem langfristig positiven Markt. Als Jahresendpreis prognostiziert das Institut einen Goldpreis von 4.600 Dollar / Unze. Auch der Vermögensverwalter BlackRock sieht die langfristigen Argumente für einen steigenden Goldpreis intakt. Der Hedgefonds-Manager John Paulson dagegen sieht Gold bereits am Anfang eines neuen, langfristigen Bullenmarkts.
Und einen solchen sieht auch weiterhin Goldexperte Ronald-Peter Stöferle, Herausgeber des „In Gold We Trust“ Reports, der an seiner langfristigen Prognose von 8.900 Dollar / Unze im Jahr 2030 festhält.
Goldpreis „Crash“ als Chance nutzen
Wir raten all unseren Kunden stets davon ab Edelmetalle als Spekulationsobjekt zu sehen. Wer auf kurzfristige Gewinne schielt, findet meist attraktivere Märkte. Jedoch auch mit deutlich höherem Risiko.
Für Anleger jedoch, die physisches Gold als langfristiges Investment in Ihrem Portfolio haben, haben sich die grundlegenden Voraussetzungen für einen steigenden Goldpreis nicht geändert. Wer Gold dagegen als Absicherung gegen fortschreitende Geldentwertung und drohende Vermögensverluste versteht, für den bietet die jüngste Korrektur daher womöglich eine gute Gelegenheit, um günstig nachzukaufen.