Goldbarren: Lohnt sich LBMA-zertifiziertes Gold für Privatanleger?

LBMA-Gold gilt als international anerkannter Qualitätsstandard. Doch welche Vorteile haben zertifizierte Goldbarren beim Kauf und Wiederverkauf? // Bildnachweis: Goldreporter.de

Wer Goldbarren kauft, achtet meist auf Gewicht, Feingehalt und Aufgeld. Doch auch der Hersteller kann für die Sicherheit der Goldanlage wichtig sein. Barren etablierter Raffinerien werden leichter erkannt, geprüft und wieder angekauft. Als wichtiger internationaler Qualitätsmaßstab gilt die Good Delivery List der London Bullion Market Association, kurz LBMA.

Was „LBMA-zertifiziert“ bedeutet

400 Unzen Good Deliver Barren
Good-Delivery-Barren sind 400 Unzen, also knapp 12,5kg schwer // Bildnachweis: Eigenes Bild

Im Edelmetallhandel ist häufig von „LBMA-zertifizierten Goldbarren“ die Rede. Ganz präzise ist diese Bezeichnung nicht. Die LBMA zertifiziert nicht jeden kleinen Anlagebarren einzeln.

Ihr Good-Delivery-Standard bezieht sich auf die rund 400 Feinunzen schweren Goldbarren des Londoner Großhandelsmarktes.

Das heißt, auf den Goldprodukten selbst findet man in der Regel keinen direkten Hinweis auf eine entsprechende Zertifizierung.

Für Privatanleger ist deshalb entscheidend, ob die Raffinerie eines Kleinbarrens auf der Liste der Good-Delivery-Barren Hersteller steht. Stammt ein Produkt von einem solchen Unternehmen, wird es meist als LBMA-zertifiziert oder LBMA-konform bezeichnet. Gemeint ist: Der Hersteller erfüllt die technischen und organisatorischen Anforderungen der LBMA.

LBMA-zertifizierte Hersteller

Im deutschsprachigen Raum zählen Heraeus, Argor-Heraeus, Umicore, Valcambi und Metalor zu den bekanntesten Barrenherstellern.

Zu den in Österreich angebotenen Anlageprodukten aus LBMA-akkreditierter Herstellung gehören insbesondere die Goldbarren der Münze Österreich. Sie werden im Auftrag des Unternehmens von den Schweizer Good-Delivery-Raffinerien Argor-Heraeus oder PAMP produziert.

Auch die Ögussa stellt in Österreich Goldbarren her. Das Unternehmen gehört zur Umicore-Gruppe, deren Raffinerie im belgischen Hoboken auf der LBMA Good Delivery List geführt wird. Ögussa selbst ist dort jedoch nicht als eigenständige Good-Delivery-Raffinerie aufgeführt.

Daneben bieten zahlreiche Edelmetallhändler Goldbarren unter eigener Marke an. Entscheidend ist in solchen Fällen, welche Raffinerie das Produkt tatsächlich hergestellt hat.

Der größte Vorteil: bessere Handelbarkeit

Für Privatanleger liegt der wichtigste Nutzen NICHT etwa in einem höheren Goldgehalt. Ein Barren mit 999,9er Feinheit enthält unabhängig vom Hersteller und dessen LBMA-Status nahezu reines Gold. Der Unterschied zeigt sich vor allem beim Wiederverkauf.

Händler kennen die Produkte großer Raffinerien, deren Prägestempel, Maße und Sicherheitsmerkmale. Dadurch lassen sich solche Barren leichter einordnen und prüfen. In der Regel werden sie ohne besondere Vorbehalte zum üblichen Ankaufskurs angenommen. Die Barren LBMA-zertifizierter Hersteller gelten auch als „bankhandelsfähig“, bedeutet, dass auch auch Banken diese Goldbarren kaufen.

Bei einem unbekannten Hersteller kann die Prüfung aufwendiger sein. Das bedeutet nicht automatisch, dass der Barren minderwertig ist. Der Händler trägt jedoch ein höheres Prüf- und Wiederverkaufsrisiko. Im ungünstigen Fall wird die Ware nur zum Schmelzwert angekauft oder zunächst an eine Scheideanstalt weitergegeben. Für den Verkäufer kann daraus ein Abschlag entstehen.

Gerade bei größeren Anlagebeträgen ist es deshalb sinnvoll, nicht ausschließlich auf das niedrigste Aufgeld zu achten. Ein etwas günstigerer Barren eines kaum bekannten Herstellers kann sich später als weniger flexibel erweisen.

Was die Renditerechnung zeigt

Der mögliche Vorteil von LBMA-Barren lässt sich auch mit Blick auf die Rendite betrachten. Eine auf Reddit veröffentlichte Modellrechnung vergleicht dazu LBMA- und Nicht-LBMA-Barren in Österreich. Das Ergebnis: Höhere Abschläge beim Wiederverkauf können sich vor allem bei kleinen Stückelungen wie 1- oder 5-Gramm-Barren und bei kurzer Haltedauer spürbar auf die Rendite auswirken.

Die Rechnung ist nachvollziehbar, beruht allerdings auf angenommenen Rückkaufabschlägen. In der Praxis hängen die tatsächlichen Ankaufspreise vom Händler, Hersteller, Zustand des Barrens und von der Marktlage ab.

Für Anleger bleibt deshalb eine einfache Regel: Neben dem Kaufpreis sollte auch die spätere Handelbarkeit berücksichtigt werden. Wer besonderen Wert auf einen möglichst unkomplizierten Wiederverkauf legt, kann gezielt zu Barren aus LBMA-akkreditierter Herstellung greifen.

Unbekannter Hersteller: genauer prüfen

Ist einem Käufer der Hersteller unbekannt, kann die Good Delivery List als erste Orientierung dienen. Fehlt die Raffinerie dort, muss der Barren nicht automatisch problematisch sein. Anleger sollten dann aber prüfen, wie bekannt das Produkt im deutschen Handel ist und ob der Verkäufer einen späteren Rückkauf anbietet. Hilfreich sind eine eindeutige Herstellerprägung, Angaben zu Gewicht und Feinheit sowie eine aufbewahrte Rechnung.

Die LBMA setzt Standards für Goldqualität, verantwortungsvolle Beschaffung und das Verhalten der Marktteilnehmer (Foto: ZukunftsForum Edelmetalle).

Was die LBMA kontrolliert

Die Good Delivery List ist mehr als ein Markenverzeichnis. Raffinerien müssen nachweisen, dass sie Gold zuverlässig analysieren und in gleichbleibender Qualität herstellen können. Hinzu kommen Vorgaben zur verantwortungsvollen Beschaffung und regelmäßige unabhängige Prüfungen.

LBMA-Chefin Ruth Crowell erklärte in einem Goldreporter-Interview, die Aufnahme in die Liste sei für Raffinerien kein bloßes Zusatzmerkmal. Wer Zugang zum professionellen Weltmarktpreis haben wolle, benötige diese Anerkennung. Zum Qualitätsstandard gehöre inzwischen auch eine verantwortungsvolle Beschaffung.

Für private Käufer ist das nur indirekt relevant. Sie profitieren aber davon, wenn der Hersteller ihres Kleinbarrens regelmäßig kontrolliert wird und international einen Ruf zu verlieren hat.

Kein Schutz vor jeder Fälschung

Ein bekannter Herstellername garantiert nicht die Echtheit eines einzelnen Barrens. Gerade renommierte Marken werden häufig kopiert, weil sie bei Käufern und Händlern Vertrauen genießen.

Auch Seriennummer, Zertifikat und Originalverpackung reichen allein nicht aus. Diese Merkmale können ebenfalls gefälscht werden. Entscheidend bleiben deshalb der Kauf bei einem seriösen Edelmetallhändler und eine fachgerechte Prüfung beim Wiederverkauf.

Der LBMA-Status ist somit ein Qualitätsmerkmal des Herstellers, aber kein Echtheitsnachweis für jeden einzelnen Kleinbarren.

Münze Österreich Goldbarren 100g
100g | Münze Österreich | Transparent-Blister | Goldbarren 12.225,50 

Die Münze Österreich steht nicht auf der Good Delivery List der LBMA. Deren Goldbarren werden aber von LBMA-zertifizierten Produzenten hergestellt.

Wird die Herkunft künftig wichtiger?

Heute muss ein Privatanleger beim Verkauf eines Goldbarrens in Deutschland in der Regel nicht nachweisen, aus welcher Mine das Gold stammt oder unter welchen sozialen und ökologischen Bedingungen es gefördert wurde.

Dennoch gewinnt die Herkunft im professionellen Markt an Bedeutung. Die Branche reagiert damit auf Kritik an Umweltzerstörung, Konfliktgold, Geldwäsche und Sanktionsverstößen. Die LBMA betreibt mit ihren Standards daher auch Imagepflege und versucht, möglichen politischen Eingriffen durch eigene Regeln zuvorzukommen.

Für Privatanleger entsteht daraus derzeit keine Verpflichtung. Denkbar ist aber, dass Händler, Banken oder Scheideanstalten künftig stärker zwischen Gold mit nachvollziehbarer Herkunft und nicht eindeutig zuordenbarer Ware unterscheiden. Barren unbekannter Hersteller könnten dann intensiver geprüft oder nur mit Abschlag angekauft werden.

Dass Händler irgendwann generell keine nicht zertifizierten Barren mehr annehmen dürfen, ist derzeit reine Spekulation. Eine solche Regelung besteht nicht und ist auch nicht angekündigt. Trotzdem kann es sinnvoll sein, bei neuen Käufen auf international anerkannte Hersteller zu achten. Der mögliche Vorteil liegt weniger im heutigen Goldwert als in der langfristigen Marktgängigkeit.

Rückverfolgbarkeit und Tokenisierung

Mit der Gold Bar Integrity Database treibt die LBMA die digitale Erfassung von Herkunfts- und Raffineriedaten voran. Langfristig könnten physische Goldbarren mit einem digitalen Datensatz verbunden werden, der wie ein Barrenpass funktioniert.

Ein digitaler Token kann Informationen zu Gewicht, Feinheit, Lagerort, Herkunft und Eigentumsrechten abbilden. Das kann die Abwicklung vereinfachen und die Fälschungssicherheit erhöhen.

Kritiker sehen darin allerdings das Risiko, dass Goldbesitz leichter nachvollziehbar wird. Von einem umfassenden Register privater Goldbesitzer kann derzeit keine Rede sein. Die Entwicklung zeigt aber: Der Markt bewegt sich zu mehr Standardisierung, mehr Daten und mehr Rückverfolgbarkeit. Das kann die Sicherheit erhöhen, aber auch die Diskretion physischen Goldbesitzes einschränken.

Tokenisierung: Physisches Gold wird digital erfasst und mit Informationen zu Echtheit, Herkunft und Verwahrung verknüpft. Dadurch können diese Angaben entlang der Lieferkette besser überprüft werden. // Bildnachweis: Goldreporter.de

Goldmünzen als Alternative

Die LBMA-Standards betreffen vor allem Goldbarren und Raffinerien. Anlagemünzen wie Krügerrand, Maple Leaf oder Wiener Philharmoniker werden dagegen von staatlichen oder staatlich beauftragten Prägestätten hergestellt.

Wiener Philharmoniker 1 Unze 100 Euro
Wiener Philharmoniker EUR | 1 Unze | Div. Jahrgänge | Goldmünze 3.856,90 

Sie besitzen standardisierte Gewichte, Maße und Motive und sind weltweit bekannt. Die klassischen Anlagemünzen tragen zudem keine individuelle Seriennummer. Für Anleger, denen einfache Handelbarkeit und ein möglichst geringer Grad individueller Erfassbarkeit wichtig sind, können Münzen deshalb eine gute Alternative sein.

Fazit: sinnvoll, aber kein Muss

Für Privatanleger ist die LBMA-Anerkennung kein zwingendes Kaufkriterium. Sie ist aber ein sinnvoller Hinweis auf die Qualität, Reputation und internationale Akzeptanz eines Herstellers.

Wer neue Goldbarren kauft, fährt in der Regel gut damit, Produkte bekannter Raffinerien beziehungsweise Hersteller der Good Delivery List zu bevorzugen. Das kann die Prüfung und den Wiederverkauf erleichtern und könnte sich als Vorteil erweisen, falls Herkunft und Lieferkette künftig stärker gewichtet werden.

Gleichzeitig darf die Bedeutung nicht überschätzt werden. Ein LBMA-Hersteller schützt nicht automatisch vor Fälschungen, und es gibt derzeit keine Pflicht, beim Verkauf die ethisch oder ökologisch unbedenkliche Herkunft eines Goldbarrens nachzuweisen.

Besonders sinnvoll sind LBMA-Barren für Anleger, die größere Stückelungen kaufen, flexibel bleiben oder später auch im Ausland verkaufen möchten. Für viele Anleger kann eine Mischung sinnvoll sein: anerkannte Barren für hohe Marktgängigkeit und klassische Anlagemünzen ohne individuelle Seriennummer.

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